Gegen Rassismus und Gewalt - Teil VII

Der letzte Teil unseres Projektes “Gegen Rassismus und Gewalt” führte uns am 11.12.2013 und 22.09.2015 in die Nähe von Nordhausen zu der KZ-Gedenkstätte “Mittelbau-Dora”. Dieses KZ für Männer, zunächst als Außenlager zu Buchenwald angelegt, existierte 18 Monate. In dieser kurzen Zeit sollten mehr als 60.000 Deportierte (hauptsächlich Russen, Franzosen und Polen) in den Stollenanlagen mit zum Bau der V2-Rakete beitragen. Ihre Hauptarbeit jedoch bestand darin, in kräftezehrender Arbeit die Stollen, Eisenbahntrassen oder Straßen auzubauen. Sie wurden deportiert, weil sie Widerständler, sogenannte Kriminelle, Sinti und auch Juden waren. Jeder Dritte überlebte die unsäglich unmenschlichen Bedingungen dort nicht und starb an Entkräftung. Auch hier galt, wie in allen Konzentrationslagern: “Vernichtung durch Arbeit”.

Da es anfangs keine Baracken gab, lebten die Häftlinge vom Herbst 43 bis Mai 44 in den Tunnelanlagen (Modell siehe rechts). Neben den beiden Fahrtunneln wurden, aus Effektivitätsgründen, lediglich 4 Schlaftunnel angelegt. So wurde in Schichten geschlafen und gearbeitet. Wenn man von “schlafen” überhaupt sprechen kann: Durch die zwei Fahrtunnel donnerten die Züge, Sprengungen fanden ebenfalls ohne Vorwarnung statt.

Zu Beginn unserer 4-stündigen Führung beschäftigen wir uns intensiv mit Lebensläufen der Deportierten. Jeder von uns stellte der Gruppe einen Häftling vor.

Es war bedrückend zu wissen, dass auf diesem Boden Menschen verschiedenster Nationalitäten zur Arbeit gezwungen wurden und dabei sterben sollten.

Ankunft

und

Tod

Bahnhof und Reste der Gleisanlagen

Krematiorium und Mahnmale

Die weiß getünchten Bäume stellen selber ein Mahnmal dar: Die Verstorbenen wurden im Krematorium des KZ´s verbrannt. Deren Asche schippte man einfach den Hügel rechts herunter. Nun ist die Asche von ca. 8.000 Menschen durch Steine befestigt und es wachsen Bäume darauf. Im Juli 2015 mussten die Bäume nach einem Sturm leider gefällt werden, damit das Krematorium keinen Schaden nimmt.

Im September 2015 erfuhr ich, dass die Verbrennungsöfen von der Herstellerfirma freiwillig gefertigt wurden. Es handelt sich um Öfen, um Vieh zu verbrennen ...

Das Mahnmal mit den vier Männern und einer Frau war eigentlich für Auschwitz gedacht, donnoch passt es nach Mittelbau-Dora, weil hier 26 Zwangsarbeiterinnen als Prostituierte arbeiten mussten. Sie waren speziell für die Zwangsarbeiter da, die technich versiert waren.

Allein das System ermöglichte Erniedrigungen der Deportierten, die in unserer heutigen Gesellschaft nicht möglich wären:

Als es Bracken gab, hatten die Häftlinge nach dem Wecken eine halbe Stunde Zeit, um auf dem Apellplatz anzutreten. Dort wurden sie gezählt. Dies dauerte etwa eine Stunde oder auch länger. Anschließend arbeiteten sie 12 Stunden in den Stollenanlagen. Nach getaner Arbeit wurde wieder auf dem Apellplatz gezählt. Dies konnte bis zu acht Stunden dauern, aus Willkür oder wenn die “Zahlen” nicht stimmten. Jeder musste seine Zahl auswendig kennen - die Menschen wurden zu Nummern! Auch wurde ein Mann ermordet, wenn er Befehlen in Deutsch nicht nachkam oder antworten konnte.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei dem Landkreis Goslar, für die Kostenübernahme für das Jahr 2013. Auch danken wir der KZ-Gedenkstätte für die überaus eindringliche und freundliche Führung, sowie den zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien.

Nun ist unser Wissen um eine neue Dimension gewachsen. Es dauert lange, bis man diese Eindrücke verarbeitet hat.

Mögen sich unsere Schüler auch als Erwachsene erinnern, wachen und mahnen, damit solch ein unermessliches Leid nie wieder von deutschem Boden ausgeht!

Manche Schülerinnen und Schüler der H10a und H10b fahren im Februar 2016 nach Aushwitz. Die Fahrt nach Mittelbau-Dora stellt für sie einen Teil der Vorbereitung für die Fahrt nächstes Jahr dar.